Leistungsbeschreibung im Mix von Leistungsverzeichnis und Vorbemerkungen

Leistungsbeschreibung im Mix von Leistungsverzeichnis und Vorbemerkungen
Schiller-Blog - Der Schillernde Blick auf die Baubranche

Leistungsbeschreibung im Mix von Leistungsverzeichnis und Vorbemerkungen

01.04.2011

Beim Bauen geht es ums Geld. Was kostet wie viel? Und bei Widersprüchen steht die Beschreibung der Bauleistung vom Rang her an erster Stelle. Siehe VOB/B, §1 Nr.2. Die kaufmännischen Kosten und die preisliche Vergütung bewegen sich im Spannungsfeld von bautechnischer Leistung und dem bauvertraglich geschuldeten Erfolg. Genau darin liegt des "Pudels Kern". Der Ingenieur denkt in der Beschreibung und der Jurist in der Bestimmung der Leistung.

Rechtlich geht es um die Vertragsauslegung. Die Werkleistung ist zweckbestimmt. In dem Sinne, was die Parteien als Ziel vereinbarten. Unabhängig davon, wie und wo Erfolg bzw. Bausoll beschrieben wurden. Das Ganze ist das Wahre. Und zum LV gehören auch Zeichnungen und Vorbemerkungen.

Das Leistungsverzeichnis (LV) mit den darin enthaltenen Mengen und Preisen bildet den Mittelpunkt der Leistungsbeschreibung. Aber die einzelnen Positionen des LV stehen oft nicht allein. Häufig werden sie durch Vorbemerkungen ergänzt. Eine Herausforderung für die Kalkulation der Kosten und Preise. Denn zur Leistungsbeschreibung gehören beide. Im Regelfall enthalten die Vorbemerkungen wesentliche Angaben, die zum Verständnis der Baumaßnahme und zur Ermittlung der Preise für die LV-Positionen nötig sind.

In der Praxis ufern die Vorbemerkungen oftmals aus. Dafür gibt es verschiedene Motive. Vom besorgten Absichern, Delegieren planerischer Aufgaben, Nachtragsabwehr bis zu listigen Hintergedanken. Im Bezug zu den LV-Positionen kann eine "Mischbeschreibung" entstehen. Leistungspositionen werden weggelassen und wandern "unauffällig" in die Vorbemerkungen. In der Hoffnung die Bieter übersehen die zu kalkulierenden Kosten. 20% der Positionen bestimmen 80% der Auftragssumme. Dann lassen sich doch gleich die C-Positionen als Vorbemerkungen tarnen.

Kalkulatorisch gibt es also nicht nur Einzelkosten in den LV-Positionen, sondern auch versteckt in den Vorbemerkungen. Vergleichsweise kurze LVs und lange Vorbemerkungen sind ein Indiz dafür. In der Kalkulation sollte man beachten, dass nicht nur ein höherer Zuschlag auf die EKT hilft. Die EKT als Zuschlagsbasis für BGK+AGK+W&G sind höher anzusetzen.

Was hat den Vorrang: Das Leistungsverzeichnis oder seine Vorbemerkungen? Gibt es keine Widersprüche, so ist bei deren Deutung vorab der "Teil der Beschreibung maßgebend, der die Leistung konkret auf das Bauvorhaben bezogen beschreibt." Bei widersprüchlichen Angaben in den Vorbemerkungen und den Positionen des LV bestätigt das BGH-Urteil vom 11.3.1999 folgenden einfachen Auslegungsgrundsatz: "Das Speziellere geht dem Allgemeineren vor." Die genaue Beschreibung hat Vorrang vor der ungenauen. Egal wo sie steht. Detaillierte Beschreibungen mit klaren Leistungstexten, wie z.B. nach STLB-Bau sind dabei von Vorteil. "Schwammige" Texte provozieren Streit. Und lange Vorbemerkungen reizen zur Mischkalkulation. Das Einkalkulieren von Vorbemerkungen in die Positionen - ein Verschiebebahnhof von Kosten?

Die VOB nennt an erster Rangstelle die Leistungsbeschreibung, legt aber nicht fest, dass innerhalb der Leistungsbeschreibung das Leistungsverzeichnis den Vorrang hat. Vorbemerkungen und Zeichnungen dokumentieren ebenfalls das Bauziel. Auch sie dienen der Bestimmung der Leistung. Eine vereinte Antwort darauf bietet zunehmend die modellbasierte Kalkulation. Der Schlüssel ist die zeichnerische Klärung. Daraus wird ein eigenes "Interims-LV" mit allen ABC-Positionen erzeugt und automatisch kalkuliert. Im Vergleich mit den Ausschreibungspositionen werden die Abweichungen bezüglich der Zeichnungen und Vorbemerkungen sichtbar und können besser bewertet werden.

Für die Ermittlung der Kosten und der Verpreisung des Leistungsumfanges ist die Auslegung des gesamten Vertragswerkes nötig. Das modellbasierte Kalkulieren sieht Zusammenhänge und nicht nur die einzelnen LV-Positionen. Unsere Lösung hierfür heißt DBD-Kostenkalkül. Ende April liefern wir hierzu die nächste Generation. Und die ist einfach und toll.

In alter Frische!

Ihr Klaus Schiller


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